Gabriëlle den Hollander-Beijer (43) ist Grundschullehrerin und Mitbegründerin der Cure ADOA Foundation. Sie lebt in Goudswaard, ist mit Leendert verheiratet und hat zwei Töchter im Teenageralter. Vor etwa fünfzehn Jahren wurde bei ihr ADOA-plus diagnostiziert. Ihre Einstellung? Die Ärmel hochkrempeln und sich auf das Machbare konzentrieren.
Um das Gegenteil zu beweisen
In der fünften Klasse begannen Gabriëlles Hör- und Sehprobleme. Manchmal konnte sie die Lehrerin nicht verstehen oder die Tafel nicht richtig lesen. Da ihr Vater an ADOA+ leidet, wurde sie an eine Augenklinik überwiesen. Dort wurde ihren Beschwerden jedoch kaum geholfen. Mit sechzehn Jahren bekam sie Kontaktlinsen, die aber nicht halfen, und ihre Energie nahm ab. Schließlich wurde bei ihr Optikusatrophie diagnostiziert. Ein Arzt sagte ihr, dass sie sehbehindert oder möglicherweise erblinden würde, keinen Führerschein machen könne und dass es besser wäre, nicht zu rauchen oder Alkohol zu trinken. Eine einschneidende Botschaft, die ihre Zukunftsperspektive völlig veränderte.
Gabriëlle schloss ihre Ausbildung zur Schulsozialarbeiterin ab und begann als Unterrichtsassistentin zu arbeiten, da sie Zweifel hatte, ob eine Grundschullehrerausbildung (PABO) für sie machbar sei. Doch der Traum, selbstständig vor einer Klasse zu stehen, blieb bestehen, also beschloss sie, es trotzdem zu versuchen. Viele Lehrerinnen und Lehrer waren positiv gestimmt, bis eine sagte: „Kannst du das nicht lesen? Dann wirst du nie Lehrerin werden.“ Dieser Moment erwies sich als Wendepunkt für Gabriëlle. Rückblickend sagt sie: „Ich dachte: Ich werde es euch zeigen! Und ich habe die Prüfung auf Anhieb bestanden.“
„Sag, was du kannst und worin deine Stärken liegen.“
Glücklich im Klassenzimmer
Mit 28 Jahren wurde bei Gabriëlle nach umfangreichen Untersuchungen ADOA-plus diagnostiziert. Aufgrund eines Defekts im OPA1-Gen erhalten die Zellen nicht genügend Energie. Infolgedessen treten neben Sehstörungen beispielsweise auch Hörprobleme auf. Diese Diagnose brachte Klarheit, Orientierung und Entschlossenheit. Gabriëlle lernte, offen über ihre Stärken und Schwächen zu sprechen, auch bei späteren Bewerbungen. Angetrieben von ihrer Leidenschaft für Bildung fand sie ihre Berufung als Lehrerin an einer Grundschule in der Nähe ihres Wohnorts.
Sie ist sehr ehrlich zu ihren Schülern. „Ich gebe zu, dass ich schlecht sehe und erkläre ihnen, wie ich die Dinge wahrnehme. Dass ich dasselbe sehe, einen Schritt von der Tafel entfernt, wie sie es zehn Schritte entfernt sehen.“ Mithilfe einer Lupe gestaltet sie ihren Unterricht so einfach wie möglich und schafft bewusst eine ruhige und vertraute Atmosphäre im Klassenzimmer. „Ich strebe eine positive Gruppendynamik an, in der alle einander gut zuhören. Während der Unterrichtsgespräche gehe ich herum und suche gezielt den Kontakt zu den Kindern. Das hilft mir, gut zu hören, und für sie schafft es eine angenehme Lernatmosphäre. Eine Win-Win-Situation also.“
Öfter auf dem Fahrrad
Auch zu Hause zeigt Gabriëlle dieselbe positive Einstellung. Manchmal hat sie ein schlechtes Gewissen, weil sie ihre Töchter nicht überall mit dem Auto mitnehmen kann. Doch das Gespräch darüber eröffnet ihr eine schöne Perspektive. „Meine Jüngste meinte neulich: Zugfahren macht doch auch Spaß, oder? Und sie freuen sich, wenn wir bei einem Konzert oder Musical in der ersten Reihe sitzen. Natürlich finden sie es nervig, dass sie manchmal etwas zweimal sagen müssen. Aber weder mein Mann noch ich machen ein großes Drama daraus, und es wiegt nicht all das auf, was gut läuft. Ich arbeite, treibe Sport und unternehme schöne Dinge. Ich verpasse nichts von dem, was andere tun, und sie auch nicht. Sie fahren einfach etwas öfter Fahrrad.“
Sinnvoller Beitrag
Gabriëlle schöpft viel Energie aus ihrer Arbeit für die Cure ADOA Foundation. Daraus sind wunderbare Begegnungen und wertvolle Freundschaften entstanden. Sie betont, wie wichtig die Zusammenarbeit ist: Wissen und Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam mit Menschen aus aller Welt den Weg für Forschung und Behandlung zu ebnen. „Die Heilung von ADOA wäre natürlich das beste Ergebnis, aber auch die Verlangsamung des Krankheitsverlaufs ist ein Ziel. Damit niemand mehr sein Seh- oder Hörvermögen verliert. Ich bin sehr stolz auf unser internationales Netzwerk. Es ist wie eine herzliche Umarmung, auch für zukünftige Generationen, damit sie nicht denselben Weg gehen müssen wie ich.“
Im Namen der Stiftung engagiert sich Gabriëlle stark für die Organisation des jährlichen ADOA-plus-Treffens. 2026 kamen rund dreißig Teilnehmer zusammen. Was möchte sie ihren Leidensgenossen persönlich sagen? Dass so vieles möglich ist, selbst mit ADOA-plus. „Natürlich gibt es schwierige Momente, aber teilt eure Geschichte mit anderen und lasst euch dann nicht unterkriegen. Achtet auf euer Gleichgewicht und versucht, lösungsorientiert zu denken. Dann ist wirklich vieles möglich.“
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Text: Ankie Geenen
Bild: Persönliches Foto von Gabriëlle den Hollander-Beijer