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#35: Wissenschaftliches Update: Der Weg zu einer Behandlung für ADOA und ADOA-plus

Aktueller Stand: Die Krankheit stoppen versus sie wirklich heilen

In einem kürzlich erschienenen Übersichtsartikel in der Fachzeitschrift Expert Opinion on Therapeutic Targets beschreibt Dr. Marcel V. Alavi (2026) eine vielversprechende Entwicklung in der pharmazeutischen Industrie. Der Fokus liegt nun primär auf der Hemmung oder dem Stoppen der Krankheit. Die vielversprechendsten Programme, die derzeit am Menschen auf Sicherheit und Verträglichkeit getestet werden, sind Antisense-Oligonukleotide (wie die Moleküle PYC-001 und STK-002). RNA-Therapien oder RNA-Pflaster. Diese Behandlungen werden durch eine Injektion ins Auge verabreicht und sind darauf ausgelegt, den Mangel an funktionsfähigem OPA1-Protein in den Zellen direkt auszugleichen.

Obwohl diese Entwicklungen sehr hoffnungsvoll darauf hindeuten, dass ein weiterer Niedergang gestoppt werden kann, ist die Realität dennoch fraglich. Heilung Die Wiederherstellung des bereits verlorenen Sehvermögens ist leider noch in weiter Ferne. Zwar erforschen Wissenschaftler die rekonstruktive Medizin (wie die Transplantation neuer Stammzellen zur Wiederbesiedlung der betroffenen Zellschichten), doch stoßen sie dabei auf enorme biologische Hürden. Die neu eingesetzten Zellen müssen Nervenbahnen bis zum Gehirn ausbilden und dort an den richtigen Stellen Verbindungen herstellen. In einem bereits geschädigten, erwachsenen Organismus ist dies äußerst komplex. Der Schwerpunkt der derzeit verfügbaren Medikamente liegt daher auf dem Erhalt des Vorhandenen.

Begrenzte Optionen für ADOA-plus

Nach 25 Jahren Genforschung steht die Forschung an einem entscheidenden Wendepunkt. Zwei unterschiedliche Wege wurden identifiziert, die großes Zukunftspotenzial bergen:

1. Vielversprechend für ADOA (fokussiert auf das Auge): Die genetischen Ansätze, die direkt auf das OPA1-Gen abzielen, sind die vielversprechendsten. Neben den bereits in klinischen Studien befindlichen Antisense-Therapien zeigen auch Labortechniken wie die CRISPR-Aktivierung gute Ergebnisse in Tiermodellen. Diese Methode wirkt wie ein biologischer „Lautstärkeregler“ und steigert die zelleigene, noch gesunde OPA1-Proteinproduktion deutlich. Konkret zielt die CRISPR-Aktivierung darauf ab, die zelleigene, gesunde Proteinproduktion anzuregen, und spezifische Modifikationen zur Behebung von Spleißdefekten (wie z. B. U1 snRNA) zeigen in Tiermodellen gute Ergebnisse. Spleißen ist das „Ausschneiden und Einfügen“ genetischer Baupläne in unseren Zellen. Treten dabei Fehler auf, kann die Zelle kein korrektes Protein produzieren. Das Molekül U1 snRNA fungiert als Präzisionsschere, um diese Fehler zu beheben. Wichtige Erkenntnis: Untersuchungen zeigen, dass die Degeneration der Nervenschicht bei ADOA wahrscheinlich bereits teilweise in der frühen Entwicklung im Mutterleib beginnt. Dies bedeutet, dass Gentherapien in Zukunft vermutlich die höchste Wirksamkeit haben werden, wenn sie so früh wie möglich im Leben begonnen werden (zum Beispiel bereits im frühen Kindesalter).

2. Vielversprechend sowohl für ADOA als auch für ADOA-plus (körperweit): Ein sehr vielversprechender Ansatz, der auch eine Lösung für ADOA-Plus-Patienten bieten könnte, konzentriert sich auf alternative Proteine ​​in der Zelle: OMA1 en DNM1L. Unter normalen Umständen regulieren diese Proteine ​​die Stressreaktionen und die Zellteilung unserer Mitochondrien (den Energiekraftwerken der Zelle). Bei einem OPA1-Mangel führen diese Proteine ​​jedoch zur Fragmentierung der Mitochondrien und einem beschleunigten Zelltod. Die Blockierung von OPA1 oder DNM1L mit Medikamenten (in Form von niedermolekularen Wirkstoffen, wie z. B. Tabletten) bietet eine wirksame zellschützende Strategie, die die komplexe Korrektur des OPA1-Mangels umgeht. Laborstudien haben bereits gezeigt, dass ein DNM1L-Inhibitor (Mdivi-1) mitochondriale Anomalien in Zellen von ADOA-plus-Patienten erfolgreich korrigieren kann. Der Hauptvorteil dieser Medikamentenart liegt in ihrer Entwicklung als niedermolekulare Wirkstoffe. Diese Tabletten sind klein genug, um sich leicht über den Blutkreislauf im ganzen Körper zu verteilen. Dies eröffnet vielversprechende Perspektiven für die zukünftige Behandlung von Muskel- und Nervenbeschwerden auch außerhalb des Auges.

Fazit

Wir schreiten schneller denn je in Richtung gezielter Therapien voran. Obwohl ältere Wirkstoffe aus der Ophthalmologie (wie Idebenon/Raxone) bei ADOA nur geringe Wirkung zeigen, eröffnen die laufenden Studien vielversprechende Ergebnisse. RNA-Therapien und die Laborforschung zu Mitochondrienschutz Neue, vielversprechende Wege eröffnen hoffentlich Perspektiven für eine Stabilisierung der Krankheit in der Zukunft. Der Fokus liegt daher nun darauf, Möglichkeiten zu finden, das Verbleibende zu erhalten, während eine wirkliche Heilung – im Sinne der Wiederherstellung des bereits verlorenen Sehvermögens – noch in weiter Ferne liegt.

Autor: Peter Makai

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